Die Welt ist ein Gespräch

Einzigartigkeit einer Substanz, eines Subjekts ‒ gemeinte, vorausgesetzte Individualität oder Einzigartigkeit, wie steht es damit? Subjekte, Substanzen, Individuen sind das, was sie sind, vermöge ihrer Sprache. Sprache aber ist das Allgemeine schlechthin, nur in ihrer jeweiligen Ganzheit hat sie Individualität. In allen Einzelheiten dagegen ist sie Zitat, unendlich oft schon Gebrauchtes, von der Tradition Bereitgestelltes, Gelerntes, unbewusst Übernommenes usw., s. George Steiner Warum das Denken traurig macht Kap. 3 (Ffm. 2006). Jedes Wort, jede Redewendung, alle Formen des Satzbaus wurden schon unendlich oft vorbenutzt.

In der Sprache findet eine Verschmelzung jedes einzelnen Sprechers mit allen anderen statt, die im einzelnen überhaupt nicht mehr auf ihre Ursprünge zurückzuverfolgen ist. Die Sprachen der einfacheren Monaden, der Dinge, der Gegenstände der Natur haben überhaupt nichts Individuelles an sich. Eine Sonne spricht dank ihrer naturgesetzlich feststehenden Gravitation mit ihren Planeten, und alle Sonnen sprechen ohne Unterschied dieselbe Sprache. Individualität erlangt eine Sonne nur durch ihre Position in der Zeit und im Raum des Alls, nicht durch ihre Sprache.
Auch die Sprachen der komplexeren Monaden, insbesondere die Humansprachen, sind aus unendlich vielen Flecken und Fetzen zusammengenähte Gewänder, typische Narrengewänder eigentlich. Das sollte in Bezug auf etwa beanspruchte Jemeinigkeit bescheiden machen.
Vgl. Schopenhauer: principium individuationis.

Individuation