Die Welt ist ein Gespräch

Bei Heidegger die Wendung zur Wahrheit als aletheia, Unverborgenheit, bis dahin in der Philosophie Wahrheit als Satzwahrheit, Angemessenheit, Richtigkeit; Angleichung des Satzes , des Urteils an die Wirklichkeit, also eine Wahrheit der Interpretation. Für diese gibt es richtig und falsch, aber für die Wahrheit des Offenbaren existiert diese Unterscheidung nicht. Das Unverborgene ist fraglos, es zeigt sich eben, und das ist auch schon alles. Den Kritikern dieses Begriffs muss man zugestehen, dass unter Wahrheit doch auch noch anderes zu verstehen ist. Heidegger hat darin recht, dass der Satz-, Interpretations- oder hermeneutischen Wahrheit ein Sich-Zeigen des Anderen, des Seienden vorausgehen muss. Aber man wird doch den adaequatio-Aspekt nicht ganz beiseitelassen dürfen, wenn es um den vollen Wahrheitsbegriff geht.
Ein Offensein für Anderes erkennt Heidegger nur bei dem Dasein, bei daseinsmäßig Seiendem. Dagegen würde ich sagen: Wahrheit als Offenheit für Anderes, als Unverborgenheit von Anderem ist konstitutiv für jegliches Seiende überhaupt. Seiendes als solches ist offen für anderes. Die Physik hat dafür den Ausdruck Wechselwirkung. Ohne Wechselwirkung mit anderem Seienden wäre ein Seiendes überhaupt nicht bemerkbar, es wäre nicht existent. Was aber für ein Seiendes als (anderes) Seiendes wirksam wird, ist in jedem Fall Sache einer Interpretation. Für jegliches Seiende gilt, dass anderes Seiendes für es nur existiert nach Maßgabe seiner Rezeptivität.
Für uns (Dasein) ist das Wissen vom Seienden stets von der Art einer Interpretation. Man kann Vattimo beistimmen, wenn er sagt, alles ist Interpretation (oder, mit Gadamer, Hermeneutik). In der Konstellation dieser Begriffe wird man die Wahrheitsfrage erörtern müssen.

Wahrheit