Die Methode der Philosophie besteht darin, eine Struktur zu entwerfen so, dass das Andere sich als ein Modell dieser Struktur erweist. (Modell hier im Sinn der mathematisch-logischen Erklärung dieses Wortes zu verstehen: es bezeichnet danach einen Bereich des Anderen, dessen Zusammenhang einer bestimmten mathematisch-logischen Struktur entspricht.)
Wirklichkeit ist eine Interpretation (oder eben ein Modell) der gedachten Form.
Das Ergebnis gelingenden Philosophierens ist ein Strukturwissen, ähnlich der Mathematik.
Die Methode des Philosophierens ist mathematisch in dem Sinne, wie Einstein die Methode der Physik versteht: Es scheint, als müsse der menschliche Geist zuerst unabhängig Formen konstruieren, bevor wir diese in den Dingen finden (bei Zajonc, Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewusstsein, Rowohlt, Reinbek 1997).
Die Mathematik, von der hier die Rede ist, ist gegenwärtig wie inexistent, fast unbekannt. Platons Vision der Ideen ist ein frühes Zeugnis ihrer möglichen Funktion und Macht, das freilich sogleich missdeutet und pervertiert wurde.
Unter den Mathematikern ist Georg Cantor derjenige, der mit der Erfindung der transfiniten Ordnungstypen am Ufer der Mathematik einen Brückenkopf erbaut hat, dessen Gegenstück im Bereich des Denkens zwar schon lange existiert, aber zumeist verkannt wird.