Die Welt ist ein Gespräch

Sündenfall, alttestamentlich das Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis, das Gott dem Menschen verwehrt hatte. Der Baum der Erkenntnis stellt sich hier als das Wissen dar. Wissen ist die Frucht der Erkenntnis, der Apfel, und davon zu essen heißt wohl, seinen (geistigen) Leib als Wissen erbauen, und dies ohne Bewusstsein davon, dass alles Wissen ein Anderes meint, das grundsätzlich und immer und ewig ungewusst bleiben muss, dass, was die Sprache meint, sie nicht sagen kann, denn es ist unaussprechbar, ineffabile.
Ideologien begehen diese Ur- oder Erbsünde, sie setzen ein Wissen absolut und üben schon damit in dessen Namen Gewalt aus, Terror, vereiteln Freiheit.
Wissen und zugleich sich die Freiheit vom Wissen bewahren, das ist die Mahnung der biblischen Erbsündegeschichte für den Menschen heute.

Der Horizont eines Subjekts (oder einer Substanz) eröffnet diesem (dieser) einen Ausschnitt (Aspekt) des Anderen; d. h., Subjekt (bzw. Substanz) und dieser Ausschnitt sprechen, kommunizieren (wechselwirken) miteinander.
Subjekte (und Dasein) sind offen nicht nur für einen Aspekt des Anderen, sondern überdies auch für einen Ausschnitt des Horizontes, der sie selber sind. Sie haben oder vielmehr sind (Selbst-) Bewusstsein.
Realisiertes (konkretes) Selbstbewusstsein ist je einzigartig. Als Horizont des Anderen (d. h. für das Andere, dieses eröffnend) ist es eine Interpretation des Anderen.
Das Selbst des Bewusstseins ist für es (und das heißt hier: für sich selbst) offen als ein besonderes Anderes, genauer: als die Interpretation eines besonderen Anderen.
Der für ein (Selbst-)Bewusstsein jeweils offene Zeit-Raum ist seine Welt bzw. Umwelt.
Das Erscheinen von innerweltlichem Anderem gründet in den zahllosen je individuell strukturierten (Sprach-)Horizonten.
Die jeweilige Interpretation des Anderen wie des Selbstes (für das Subjekt / Dasein) ist Wissen.

Wissen